Haus gekauft: Was passiert nach Ende der Sollzinsbindung?


13. Januar 2016 / Sabrina

Wenn dieser Beitrag beginnen würde mit „Haus kaufen ist ein finanzieller Klacks“, würde ich nicht nur lügen, sondern mich auch zum Narren machen. Es liegt auf der Hand, dass man in vielen Fällen eine Summe an Geld beleiht, die man nicht ohne Weiteres aufbringen könnte. Wieso sollte man sonst auch einen Kredit aufnehmen? Trotzdem – und das ist jetzt der Lichtblick am Ende des Tunnels – zahlt man nicht sein restliches Leben dafür, wenn man geplant an die Sache herangeht…

Oft unterhalte ich mich mit den verschiedensten Menschen über den Hauskauf und erstaune immer wieder darüber, dass dann schnell der Satz kommt: „Jetzt habt ihr euch ja das restliche Leben verschuldet“. Mir schwirrt dann durch den Kopf, ob dieser Jemand mir kein hohes Alter zuspricht oder wirklich „Mitleid“ hat? Es liegt aber vielmehr daran, dass im Menschen zunächst die stattliche Summe von rund 200.000 € wirkt, man im Kopf überschlägt und dann merkt, dass diese Summe nicht mal einfach in ein paar Tagen abgezahlt sein wird. Es ist eine mächtige Zahl, es ist nicht mit einem Brot abgegolten und man sollte es sich natürlich gut überlegen, ob man bereit ist in den nächsten Jahren eine monatliche fixe Belastung zu tragen.

Realismus ist wichtig.

Für uns war es wichtig, dass wir uns nicht verzetteln. Von Anfang an haben wir uns eine Obergrenze gesetzt. Bis zu dieser schien uns ein Kredit realistisch – alles andere wäre ein Wagnis geworden. Uns war es wichtig, dass wir mit laufendem Kredit nicht am Hungertuch nagen müssen, dass Urlaube trotzdem möglich sind und man beim Möbelkauf keine Abstriche machen muss, weil die monatliche Belastung zu hoch ist, um sich das zu kaufen, was man gerne möchte. Aus der heutigen Sicht bin ich auch der vollen Überzeugung, dass der Hauskauf nicht für jeden das Richtige ist. Man kann nicht pauschalisieren. Es fließen unheimlich viele Faktoren ein und nicht zuletzt ist das Wunschwohngebiet und das monatliche Einkommen sehr entscheidend. Daher wird hier nun kein Patentrat folgen, sondern eine Darlegung unserer eigenen Erfahrung. Im letzten Beitrag hat Ralf euch schon eine kleine Formel gezeigt, die dabei hilft das eigene Budget zu kalkulieren, ansonsten kann ich jedem nur den Gang zur Bank ans Herz legen, bevor man sich verspekuliert. Schlussendlich wird diese ohnehin im entscheidenden Moment das „letzte Wort“ sprechen.

wie lange zahlt man haus ab

Aber zahlen wir jetzt nicht 30 Jahre und mehr ab?

NEIN! Bausparer sei Dank.

Einen Tipp, den wir von vielen Bekannten, aber auch Makler, Bankmitarbeitern oder Versicherungsvertretern unabhängig voneinander erhalten haben, setzten wir direkt in die Tat um. Durch eine zusätzliche monatliche Einzahlung in einen Bausparvertrag ist es möglich diesen bis zu einer auszahlungsfähigen Summe volllaufen zu lassen. Der Clou dabei ist, dass diese Summe nach Ende der Sollzinsbindung erreicht wird. Man liest es ja derzeit überall: Hauskredite sind so günstig wie noch nie und gerade jetzt kann man recht günstig finanzieren, doch wie bei allem mit einem ABER. Das Aber ist in dem Fall das Ende der Sollzinsbindung.

Wir haben uns auf eine 15 jährige Zinsbindung geeinigt. Das bedeutet konkret, dass nach 15 Jahren mit der restlichen (noch nicht abgezahlten) Kreditsumme viel passieren kann:

  • worst case: Die Zinsen steigen deutlich an und damit auch die Verzinsung der Restschuld. Aus einer monatlichen Rate von 750 € könnte auf diese Weise eine Rate von mehr als 1000 € werden, oder es verlängert sich die gesamte Kreditlaufzeit um einige Jahre.
  • best case: (sehr unwahrscheinlich) Die Zinsen sinken noch weiter und man hat das Glück dann weniger Zinsen zahlen zu müssen.
  • egal: Es bleibt unverändert: (auch eher unwahrscheinlich)

Was bringt nun aber der erwähnte Bausparer?

Dieser springt genau in dem Moment ein, wenn die Zinsbindung und damit unsere „Sicherheit“ abläuft. Der Bausparer wird in dem Fall mit einer festen Verzinsung abgeschlossen. Das heißt konkret ,dass wir diesen Zinssatz, angenommen 2% sowohl auf das eingezahlte Guthaben bekommen als auch in dem Fall diese 2% berappen müssen, wenn wir den Bausparer beleihen.

Der Bausparer muss aber natürlich volllaufen und das ist wiederum der Punkt, den man beachten sollte: Zu unserer festen Kreditrate kommt monatlich ein Betrag x fix dazu, der in den Bausparer fließt, damit dieser nach 15 Jahren zuteilungsfähig wird. Hat man den Kredit einmal abgelöst, ist man trotzdem nicht „schuldenfrei“, denn natürlich zahlt man den Sparvertrag dann auch bis zu der Summe voll, für den man ihn einst abgeschlossen hat. Dennoch ist für uns der Weg mit dem Bausparer der bedeutend Kürzere und vor allem in punkto „was passiert nach den 15 Jahren“ eine unschätzbare Sicherheit. Dafür packen wir dann auch gerne monatlich Geld beiseite.

Es grüßt euch Sabrina

 

5 Replies to “Haus gekauft: Was passiert nach Ende der Sollzinsbindung?”

  1. Liebe Sabrina!
    Erstmal finde ich es toll das ihr ein Haus gefunden habt, welches ihr auch kaufen wolltet und konntet! 200.000€ klingen in meinen Ohren (leider) nicht abartig sondern eher wie ein Traum… 😉 Hier unten in Freiburg braucht man unter 350.000€ eigentlich nicht wirklich anfangen mit einem Kredit. Das finde ich echt schade. Dazu kommt, das selbstständige am besten mehr Eigenkapital mitbringen müssen. Was bei 350.000€ jede Menge ist… Tja. Entweder nie Eigentum. Oder weg ziehen.
    Wie es bei uns weiter geht?! Ich lasse mich selbst mal überraschen;-)
    Liebe Grüße
    Bibi
    Ps: euren Blog über das ganze Thema finde ich aber sehr spannend! Denn ich hoffe doch auch noch auf Eigentum… Da lese ich schon mal schön mit vorher 😉

    1. Huhu Bianca, das stimmt – ich muss feststellen, dass es je nach Wohngebiet ganz unterschiedliche Hauspreise gibt und auch die damit verbundene „in den Ohren klingeln Grenze“ variiert. Für unsere Gegend ist 200000 schon wirklich viel. Das mit der Selbständigkeit stimmt. Leider wird man von Banken in dem Fall gerne als „risikobehaftet“ eingestuft. Ich drücke dir auf jeden Fall ganz sehr die Daumen!!!

  2. Hallo Sabrina,

    ja, Bausparer sind schon ziemlich praktisch.
    Bei uns sieht es ähnlich aus, wobei wir zunächst unseren Umbau und die Instandsetzungsmaßnahmen über zwei verschiedene KfW-Kredite laufen lassen haben. Nachdem wir die Baumaßnahmen abgeschlossen haben und sich herausstellte, dass der KfW-Kredit mittlerweile (was sich in eineinhalb Jahren so tun kann) von seinen Zinsen ungünstiger war, als einen entsprechenden Kredit bei der Hausbank zu nehmen, konnten wir den KfW-Kredit ziemlich schnell auflösen und durch zwei unterschiedliche Kredite bei der Hausbank ablösen. Beide Kredite haben nun eine Sollzinsbindung von 10 Jahren, allerdings hat sich in der Zeit der eine Kredit gänzlich aufgelöst (sofern wir brav weiterhin die Sondertilgungen voll ausschöpfen) und der zweite Kredit hat sich halbiert. Diesen halbierten Kredit werden wir dann mithilfe eines Bausparers abfinden und entsprechend den Rest nach den dann aktuellen Zinsen neu abschließen. Das ist bei uns dann nicht sonderlich mehr ein Risiko,da es sich dabei um weniger als ein viertel von der ursprünglich genommenen Kreditbeträgen handeln wird.
    Und wie es bei uns so kam: Die Euphorie beim Kauf des Hauses, dann nach der Sanierung sämtliche Energie in den Gartenbau zulegen, verflog zusehends. Denn wir haben nicht wirklich das nötige Werkzeug und den Maschinenpark, den man bei einem 1000qm großen Hanggrundstück braucht um entsprechende Gartenabschnitte neu zuprofilieren und 35 große alte Baumstubben herauszureißen.
    Weiterhin kam zu unserem ersten Kind unsere Nr.2 und diesen Sommer Nr. 3 hinzu, so dass an effektives Arbeiten nicht zu denken war.
    Darum gönnten wir uns den Luxus und ließen im letzten Frühjahr den GaLa-Bauer anrücken und nahmen einen weiteren Kredit auf. Der dann zeitversetzt zu dem Hauskredit zwei/drei Jahre später neu zufinanzieren ist und sich dann auch nur noch auf 25.000 Euro beläuft. Ein Hoch auf die heutigen niedrigen Zinsen, die dadurch eine entsprechende höhere Tilgung ermöglichen.

    Ich glaube, dass jede Familiensituation und auch die Situation, was macht man beim Hauskauf, unterschiedlich berücksichtigt werden muss, um zu einer optimalen Finanzierung zugelangen.

    Wie sehen die Möglichkeiten zur Finanzierung bei der KfW-Bank (zur Sanierung oder Bau von Energiesparenden Häusern, Altersgerechtem Umbau etc.), der NRW-Bank (bei einkommensschwachen Familien, oder Familien mit vielen Kindern gibts jdf hier in NRW etc) oder den unterschiedlichen Hausbanken aus. Wie hoch ist das angesparte Eigenkapital und wie sieht die Entwicklung und die Sicherheit der eigenen Arbeit aus? (Stehe ich kurz nach der Ausbildung beim Bankberater, stehe ich mittleren Alters mit einem festen Job mit entsprechenden Einkommen, stehe ich kurz vorm Rentenalter beim Bankberater, etc, stehe ich als junge Familie mit evtl nur einem Gehalt vor dem Bankberater, etc.)

    Alles sehr individuell.
    Darum finde ich es ziemlich schwierig jemanden Dinge zu raten.
    Freunde von uns haben ihre Finanzierung bewusst nur auf fünf Jahre fest gemacht und sich ausgerechnet, was sie dabei sparen und wie hoch der Zinssatz in fünf Jahren sein muss, um dann negativer herauszukommen… Also alles auch eine eigene Risikobewertung.

    Bausparer sehe ich da immer als einen Minibaustein an. Bei mir laufen nun z.B. zwei Bausparer aus. Das Geld verwenden wir aber nicht in Form eines Darlehns, da der damalige Darlehnszins von 1996 extrem hoch ist. Daher habe ich den Bausparer z.B. links liegen gelassen und dafür die damals vereinbarten 5%Sparzinsen genutzt. Also, abwarten was sich in 10 Jahren für Finanzierungsmöglichkeiten bietet. Jedenfalls sind wir persönlich in 10 Jahren auf der sicheren Seite, da wir nur noch einen Bruchteil refinanzieren brauchen.

    Viel Erfolg beim Umzug und der Gartengestaltung!
    Liebe Grüße
    Nictom

    1. Hallo Nitcom, das stimmt was du sagst – wie ich schrieb>: ein Patent gibt es nicht. Für uns ist jedoch eine relativ gut kalkulierbare Sache. Unser Garten ist glücklicherweise kein Hanggrundstück mit riesen Bäumen, sondern sehr schön eben – nur leider sehr karg im Moment. Ich hoffe, dass ich nicht als die Bankberaterin rüber komme – es schildert hier einzig unsere Weise an die Sache Hauskauf heranzugehen.

      1. Keine Sorge, das kam nicht so rüber, dass du „die Bankkauffrau / Bankberaterin“ bist. Alles gut, wollte nur hiermit sagen, dass es sehr individuell ist und sich jeder seine Gedanken zu seiner Situation machen sollte.
        Bei uns ist das auch so angelegt, dass wir mit allem soweit durch sind, bis das erste Kind seine Schulausbildung beendet haben sollte und dann ggf. Kosten von Studium oder anderen Ausbildungsformen auf uns zu kommen.

        Liebe Grüße
        Nictom

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