Wir und die Jugendstilvilla – warum wir uns für ein altes Haus entschieden haben


28. August 2017 / Sabrina

Schon mehrmals wurden wir gefragt, wie wir auf die Idee gekommen sind ein altes Haus zu kaufen. Man sieht ohne Anstrengung, dass sich hier Arbeit und Anmut vereinen. Doch gerade diese Kombination war es, die uns so reizte. Schon immer träumten wir vom eigenen großen Landhaus mit Charme und mit Charakter. Ein Neubau oder Reihenhaus wäre nicht infrage gekommen. Auch wenn diese ihre Vorzüge haben mögen, so reizte es uns Altes zum neuen Leben zu erwecken. Wir schauten viele Häuser an und gingen oft enttäuscht nach Hause. Das Gefühl niemals etwas passendes finden zu können oder einfach falsche Ansprüche zu haben wuchs von Mal zu Mal erheblich.

Und dann landeten wir durch eine Aneinanderkettung von Zufällen in unserem Traum. Heute sage ich dazu gerne: Das Haus hat uns gerufen, denn es stand offiziell nie zum Verkauf. Wer weiß, ob es Schicksal war oder etwas anderes – wir merkten jedenfalls sofort, dass es genau das ist, was wir so sehr gesucht hatten.

Beim ersten Betreten wirkte es auf mich, wie ein Gang in eine andere Zeit und schon der Garten sprach zu mir ganze Bände. Die alte Kastanie grüßte uns schon von der Straße aus und ich dachte mir innerlich, was sie wohl alles zu erzählen wüsste – Stummer Begleiter mehrer Jahrzehnte, ja sogar mehrerer Regierungsformen. Mit dem ersten Blick im Garten war mir klar, dass sich hier auf jeden Fall ein Fliederliebhaber verwirklichte: Flieder in allen Größen zogen sich durch das ganze Grundstück. Trotz der Tatsache, dass es schon Herbstbeginn war, konnte ich mir ausmalen, wie schön der Garten im Frühjahr oder Sommer wohl anmuten muss. Das Gelände schien wie ein langgezogener Park und der alte Baumbestand fügte sich wundervoll ins Gesamtbild mit dem Haus ein. Zugegeben war ich geblendet und vom Eindruck erschlagen. Wie viel Arbeit solch ein Garten wirklich machen kann? Daran dachte ich in diesem Moment nicht.

Flieder Syringa

Der Eingang des Hauses war von der Bauweise her nie verändert wurden. Genauso,wie er jetzt aussah musste ihn 1921 der Färbereibesitzer erbauen lassen haben. Das kleine bunte Fenster neben der Haustüre hatte einen Sprung in einer Scheibe und die Farbe blätterte ab. Ich lächelte zufrieden, strich mit dem Finger darüber und dachte mir: „Ja, genau das ist es, was ich möchte.“

Gespannt traten wir ein und fanden uns in einem riesigen Flur wieder. Ich weiß noch ganz genau, wie mein Blick einmal nach oben, herum, und wieder nach unten wanderte und ich erstaunt war, welch Platz man für einen Flur aufwenden kann.So viel Raum zu „verschenken“ damit der Eingangsbereich herrschaftlich wirkt, machte mich stutzig und neugierig zugleich. Der Fußboden war mit altem Linoleum bedeckt und darunter erahnte man alte Dielen, es knirschte beim Laufen und gab mir eine Vertrautheit, die ich noch von meiner Uroma kannte. Auch die Türen sprachen Bände und waren sichtlich noch aus einem anderen Jahrhundert. Nur die Treppe erstrahlte aus neuem Glanz und raubte den alten Sachen ein wenig die Show. So schön neu sie war, bis heute kann ich mich mit ihr nicht ganz recht anfreunden. Sie wirkte wie ein massiver Klotz zwischen all den alten Details. Solltest du unseren Blog also länger lesen wollen (was ich dir ganz dezent nahe legen möchte) wirst du sicher noch von meiner Treppe lesen.

altes Haus kaufen1921 Jugenstilvilla

Als wir uns die Räume genauer ansahen, merkte man, dass jeder der Bewohner seit dem Erbau seine eigene Handschrift hinterließ.  Die Farbe orange spielte wohl eine große Rolle in letzter Zeit und auch die Dielen sprachen von den wechselnden Generationen. Trotz, oder vielleicht gerade weil einiges auf modern getrimmt war, sagte uns unser Gefühl sofort: Lass es uns wagen. Lass es uns versuchen, diesem Haus den Begriff Jugendstilvilla auch optisch zurück zu geben und dabei unsere eigene Handschrift ebenso einzubringen und es fügte sich. Ein paar Monate später erwischten wir uns schon dabei, wie wir orange Wandfarben weiß überpinselten oder im Garten Pflanzen entfernten, die zu exotisch wirkten und 1921 kein Bestandteil gewesen sein können.

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Es waren lange Tage, die wir zubrachten und auch heute sitzen wir oft beisamen und schmieden Pläne, wie es einmal werden könnte. Wir leben etwas über ein Jahr hier und unser Kopf ist voller denn je. Genau das ist es, was es für uns so kostbar macht: Unsere Jugendstilvilla ist für uns ein Lebensprojekt. Es wird nie fertig sein und falls es doch soweit kommt, haben wir sicher neue Ideen, was man anfangen könnte. Durch die Entscheidung möglichst viel selbst zu machen, können wir nur dazulernen und Fähigkeiten weiterentwickeln. Kein Neubau der Welt hätte uns so viel geben können wie dieses alte Haus.

Wir und die Jugendstilvilla – warum wir uns für ein altes Haus entschieden haben

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